Suchtprävention durch Theater

Suchtprävention

„Alkohölle“ beeindruckte Neuntklässler

„Macht, das ist das, was mir gefällt“, rappt der im Cowboystil gekleidete Schauspieler des Theaterstückes „Alkohölle“. Er verkörpert den Alkohol als verführende Droge. Dabei steht er in der Mitte der Bühne, seine Arme weit ausgebreitet und zu seinen Füßen die volltrunkene Lena, die zum Ende des Stückes die ganze Wahrheit über ihren Vater und seinen tödlichen Unfall mit 3,5 Promille erfährt.
Alkohol hat Macht, denn „mit Alkohol fühlt man sich niemals allein“.

Mit dieser und weiteren Wahrheiten konfrontierte die vierköpfige Theatergruppe „Theaterspiel“ aus Witten die Schülerinnen und Schüler die Klassen 9a und 9c im Theaterstück „Alkohölle“ zum Thema Suchtprävention.

Doch wie konnte es für Lena überhaupt so weit kommen?
Die Hauptperson des Stückes arbeitet als Praktikantin bei ihrer Tante Maxi in der Werbeagentur Heidenreich & Heidenreich. Lea ist eine junge Frau, die gerne auf Partys und Festivals geht und mit viel Leidenschaft in einer Band singt. Alkohol und Zigaretten sind dabei ein stetiger Begleiter, denn sie sorgen für Geselligkeit, machen Lea locker und die Scheu, ihren Schwarm anzusprechen sinkt.
Als Lea den Auftrag bekommt für ein neues, alkoholisches Mixgetränk die Werbekampagne zu übernehmen, ist sie total begeistert. Sie versteht nicht, warum ihre Tante diesen Job nicht annehmen will, wo doch die Agentur um jeden Auftrag kämpfen muss, denn das Geld ist knapp.
Erst im Laufe des Stückes verstehen die Zuschauer, warum Tante Maxi den Auftrag nicht ausführen möchte. Sie will Lena schützen, denn zu verlockend sind diese Getränke, die aufgrund der Süße den Alkoholgehalt von 2-3 Schnäpsen pro Flasche vergessen lassen. Sie hat es ihrem Bruder, Lenas Vater, versprochen, als dieser im Sterben lag. Was Lena nämlich nicht weiß, ihr Vater trank viel, und zwar zu viel und krachte völlig betrunken vor einen Baum und in den Tod.

„Alkohol mischt die Menschheit auf – Alkohol hat Macht“ sagt Tante Maxi bei absoluter Stille in der Mensa unserer Schule.
Lena steht vor der Entscheidung sich dem Rausch des Alkohols hinzugeben oder das Leben und damit auch den Schmerz über den Verlust ihres Vaters nüchtern zu ertragen.
Der tote Vater, gespielt von einem der Schauspieler, diskutiert mit dem Alkohol, dargestellt als schwarzgekleideter, cooler Cowboy und wettet mit ihm, dass seine Tochter es anders machen wird als er. „Lebe dein Leben! Nutze deine Chance!“, sagt er zu Lena, als diese volltrunken am Boden liegt, weil sie drei der Mixgetränke und Wodka zu sich genommen hat.
Erst als sie erkennt, dass sie auf dem besten Weg ist, alles, nämlich ihre Praktikumsstelle und die Beziehung zu ihrer Tante zu verlieren und ein altes Foto von sich und ihrem Vater sieht, wendet sie sich an ihre Tante, die ihr helfend die Hand reicht.

Die Schülerinnen und Schüler der beiden Klassen verfolgten das 60-minütige Theaterstück gespannt. Bei der anschließenden Gesprächsrunde mit den Schauspielerinnen und Schauspielern beteiligten sie sich rege und reflektieren Lenas Verhalten. Die Jugendlichen kamen zu der Erkenntnis, dass es viele Gründe gibt zu trinken, das können Traurigkeit, Einsamkeit, Gruppenzwang, Spaß beim Feiern oder auch der Wunsch nach Vergessen sein. Man sollte aber nicht so viel trinken! Die Schauspieler erzählten von ihren Erfahrungen und offenbarten, dass auch sie mit dem Problem des übermäßigen Alkoholkonsums zu kämpfen hatten. Durch ihre autobiografischen Erfahrungen gewannen sie Zugang zu den Schülerinnen und Schülern und die Ernsthaftigkeit dieses Themas wurde deutlich. „Das war wie ein Spiegel, der zeigt, wie Alkohol wirklich wirkt“, meinte Mia (9a). Und Maya (9a) ergänzte, dass ihr in dem Stück zwar zu viel gesungen wurde, aber die Offenheit, mit der die Schauspieler über ihre persönliche Vergangenheit gesprochen haben, beeindruckte sie nachhaltig.
An die Schule geholt wurde die Theatergruppe „Theaterspiel“ vom Fachdienst Kinder- und Jugendarbeit der Stadt Lippstadt.